Konzept & FAQs


Was ist das Ziel und wie können wir dieses erreichen?


Der aktuelle Bildungsplan BW formuliert:

die Kinder erwerben Kompetenzen,  die auf ein mündiges Leben vorbereiten. Mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten sie zu diesem Ziel gelangen, ist den Schulen überlassen. Demokratische Strukturen werden dabei vorausgesetzt.“

 

Ziele der UNESCO:

„bis 2030 inklusive und chancengerechte Bildung für alle (…)“

 

Kinder müssen nicht erst werden, sie sind schon

Unser Ziel ist die erfolgreiche Umsetzung eines Konzeptes, das den aktuellen Bildungsauftrag des Kultusministeriums BW und der UNESCO erfüllt und sich wirksam mit dem natürlichen Lernkonzept des Kindes verbindet. Denn dann stehen die Ziele unserer Gesellschaft im Einklang mit den wichtigsten Stakeholdern der Bildung: unseren Kindern.

Um unsere Kinder auf ein mündiges Leben vorzubereiten, ist es wichtig, sie ihre individuellen Potenziale entdecken zulassen, weiter zu entwickeln und wirksam mit ihrer Umwelt zu verbinden. An der Eine-Welt-Schule geht es um die Entwicklung und Gestaltung des Einklangs zwischen Individuum, Gemeinschaft & System:

  • Ich sein: das Selbstwirksamkeitserleben jedes Einzelnen
  • Wir sein: das Einbringen meiner eigenen Ideen, Kräfte und Fähigkeiten in das Gemeinschaftsleben
  • Erfolgreich & Erfüllt sein: Effizienz und Sinnhaftigkeit des Systems

Spielend entwickeln wir unsere Lebenskompetenz

Der strukturierte Freiraum, in dem sich Kinder authentisch begegnen dürfen, ihr Können und ihren Mut ausprobieren und sich sicher fühlen, ist unsere Basis für intrinsische Lernmotivation. Im freien aber auch im organisierten Spiel lernen Kinder für ihr Leben (gern). Das liegt daran, dass sie die Dosis an kognitiver Inhaltsverarbeitung und dem aktiven Ausprobieren  mitbestimmen. Durch wachsendes Verantwortungsbewusstsein nutzen Kinder all ihre Lern- und Entwicklungsressourcen und stellen ihren eigenen Bezug zu den verschiedenen Lerninhalten und Kompetenzen her. Sie werden zu bewussten Mit-Gestaltern des Lebens.

Das Lernen in freien und organisierten Projekten/Spielen ist für die Entwicklung sozialer, emotionaler, kreativer und intellektueller Kompetenzen maßgeblich und auch sehr effizient. In kurzer Zeit erlernen die Kinder einen ganzen Blumenstrauß an neuen Fähigkeiten.

Wenn wir die natürlichen Ressourcen der Kinder  respektieren und ihre besonderen Persönlichkeiten wertschätzen, verfügen wir über eine Kraftquelle,  mit der eine sehr effiziente und nachhaltige Form von Bildung stattfinden kann. Dazu gehört, unseren Kindern die Vielfalt und die natürlichen Gesetze des Lebens zuzutrauen und ihnen das Ausprobieren unterschiedlichster Rollen und Erfahrungen zu ermöglichen.

 

Maximaler Realitätsbezug – lernen im Netzwerk

Unsere Welt ist automatisch „inklusiv“ – Vielfalt und Andersartigkeit sind überall. Vor allem in der Bildung. Die Komplexität unserer Lernprozesse ist weder in Kästchen noch in einheitliche Prozesse zu bringen. Jeder kann etwas anderes gut. Wogegen sich Kinder oft wehren, sind „Täuschungen“. Junge Menschen wissen genau: nicht jeder sagt immer die Wahrheit.  Erwachsene sind nicht wirklich vernünftiger als Kinder. Auch sind sie nicht immer pünktlich. Unsere Welt besteht aus Gegensätzen. Aus natürlichen Spannungsfeldern von plus und minus, von gerecht und ungerecht, von einsam und gemeinsam. Alles ist Teil unseres Lebens. Kinder wollen keine perfekte Welt. Sie wollen lernen, mit ihr umzugehen. Auf diese Weise nehmen wir Kinder ernst und machen niemandem etwas vor. Wahrhaftigkeit ist sehr Realitätsbezogen. Wir bleiben mit beiden Beinen auf dem Boden. Humor und Leichtigkeit sind dabei für Kinder wie Erwachsene sehr nützliche Wegbegleiter.

Das System der Eine-Welt-Schule wird in seinen Strukturen bewusst als Netzwerkorganisation aufgebaut. Die Netzwerkorganisation kann als „Organisation mit relativ autonomen Mitgliedern, die langfristig durch gemeinsame Ziele miteinander verbunden sind und koordiniert zusammenarbeiten“, beschrieben werden.

Lernen in Projektform, reflektieren im Dialog

Um die Verbindung zwischen

  • individuell und gemeinschaftlich
  • konstruierter Fächertrennung und realem Leben
  • Vorgaben und eigenen Gestaltungsmöglichkeiten
  • innerhalb und außerhalb der Schule

herzustellen, lernen wir an der Eine-Welt-Schule in Projektform.

Im Alltag der Eine-Welt-Schule teilen die Erwachsenen ihre Erfahrungswerte auf Augenhöhe mit den Kindern. Der offene Austausch über eigene Gedanken, Impulse und Gefühle bildet die Basis der Lernbegleitung.

Authentische Beziehungen ermutigen Kinder in ihrer Neugier. Auch Erwachsene lernen noch jeden Tag dazu.

Beim intrinsisch motivierten Lernen geht es immer um den Aufbau erfahrungsgestützten Wissens. Es steht der eigene Wunsch im Mittelpunkt, etwas zu können oder zu erfahren, weil es einen eigenen Wert darstellt. Wir lernen aus einem tiefen geistigen und körperlichen Grundbedürfnis heraus: wir wollen verstehen, selber etwas tun können und uns anerkannt fühlen.

An der Eine-Welt-Schule ist das Einholen und Aushalten von Feedback ein wichtiger Teil der Lernprozesse. Die anschliessende Reflexion über das erhaltene Feedback wiederum, ist ein persönlicher, innerer und daher subjektiver Lernprozess.  Dabei entscheidet der Lernende selbst, was genau er von der erhaltenen Rückmeldung für sich verwerten wird und was nicht. Das persönliche Lerntagebuch begleitet die Schüler bei diesen wichtigen kognitiven wie emotionalen Verarbeitungsprozessen.


Welche Abschlüsse sind möglich?


Wir arbeiten in Form eines Gemeinschaftsschulverbundes mit Grundschule. Jeder individuell angestrebte Bildungsabschluss kann in der Eine-Welt-Schule längerfristig abgelegt werden. Das Abitur wird durch Kooperationen möglich sein.


Ist die Schule staatlich anerkannt?


Die Konzepte der Eine-Welt-Schule, Grundschule wie Sekundarstufe I, wurden vom Regierungspräsidium bereits genehmigt. Bei privaten Gründungsinitiativen ist die staatliche Anerkennung erst nach drei Jahren möglich. Wir setzen nicht nur den aktuellen Bildungsplan um. Auch die Global Goals der UNESCO sind Teil des Gesamtkonzeptes. Die staatliche Anerkennung ist uns genau so wichtig wie der BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung). Unser Ziel: Das Öffnen von Bildung hin zum Menschen innerhalb des realen Spannungsfeldes von Vorgaben und Freiheiten.


Wer ist der Träger?


Der Schulträger ist:

IBOP gUG (Institut für Bildungsforschung, Organisationsentwicklung und Permagogik) mit Sitz in Freiburg.

Das IBOP verzahnt den Bildungsalltag der Eine-Welt-Schule mit unterschiedlichen Forschungsinteressen zum Thema Bildung und Organisationsaufbau. Es entsteht ein intern und extern lernendes Netzwerk.


Kann mein Kind vom Bildungsdorf auf eine staatliche Schule wechseln?


Ja, dies ist möglich. Die Schule unterstützt ihre Schüler*innen bei den Vorbereitungen auf diesen Wechsel, in Absprache mit den Eltern.

An der Eine-Welt-Schule arbeiten wir mit Kompetenzbewertungen. Eine Übersetzung in Noten für eine neue Schule ist grundsätzlich möglich.


Wer darf im Bildungsdorf unterrichten?


Ob Ansätze von Rebecca Wild, Maria Montessori, Rudolf Steiner, etc., alles was sich bewährt, hat Raum. Im Zentrum stehen nicht Ideale und Theorien, sondern die authentische Lernkultur, in der sich Kinder und Erwachsene ernst nehmen und zwischenmenschlichen Herausforderungen auch mit Humor und Leichtigkeit begegnen können.

Neben ausgebildeten Lehrer*innen und unterschiedlichen Pädagog*innen dürfen gezielt Bildungsakteur*innen von Außen hinzugezogen werden.


Wer trägt die Verantwortung für den Lernerfolg?


Die Schüler*innen tragen an der EWS daher selbst die Verantwortung für ihre Lernwege. Dies tun Kinder bereits bevor sie in die Schule kommen.

Je genauer die Vorstellung der Erwachsenen, je dominanter ihr Auftreten, desto geringer wird die Verantwortungsbereitschaft des Kindes. Dies ist von der Natur so angelegt, vielleicht zum Schutz der Individualität. Was besser funktioniert: Kinder ernst nehmen und ihnen etwas zutrauen. Freiräume klar definieren und beweglich strukturieren, so wollen wir unseren Schüler*innen die natürliche Lernmotivation erhalten.

Lehrer*innen oder Expert*innen können – wie die Kinder – nur die Verantwortung für Ziele übernehmen, die sie selbst erreichen und erfüllen können. Das bedeutet, Lehrende und Begleitende können immer nur etwas zur Verfügung stellen, was dem Lernenden dabei hilft, seinen eigenen Weg zum Ziel zu finden.


Gibt es Noten?


Noten gibt es an der Eine-Welt-Schule erst ab der 8./9. Klasse. Zur Beurteilung, ob ein Kind über eine bestimmte Kompetenz verfügt, braucht es ein valides Instrumentarium. Anhand von Portfolios, Gesprächen, Projektpräsentationen und/oder Kompetenz-Gremien, werden die entwickelten Kompetenzen der Kinder reflektiert und bewertet. Die Schüler*innen erhalten Feedbackberichte und Jahresbriefe.

 


Gehören die Kinder festen Klassen oder Gruppen an?


Im Bildungsdorf gibt es familiäre Strukturen. Je nach Alter und Entwicklungsstand sind die Strukturen zunächst enger und öffnen sich dann immer weiter. Zugehörigkeiten ergeben sich zum einen aus den natürlichen Jahrgangsgruppen, die sich nach dem biologischen Alter und der Entwicklung der Kinder richten:

  • Grundstufe: ( Klassen 1 – 5)
  • Mittelstufe: (Klassen 6 – 8)
  • Oberstufe: (Klassen 9 – 10)
  • Abitursjahrgang: (Klassen 11 – 13)

Zum anderen gehören die Kinder bestimmten Projektgruppen an. Alle Kinder sind von Anfang an Lernende und Expert*innen zugleich. Je nach Sinnhaftigkeit kann sich jeder mit jedem vernetzen, austauschen und lernen.


Wie ist der Alltag strukturiert?


In einem lebendigen Schulalltag ist eine gewisse Grundstruktur wichtig. Sie gibt Kindern und Erwachsenen Orientierung und Sicherheit. Für alle Grundschüler gilt grundsätzlich die gleiche Schul- und Projektzeit. Gestartet wird morgens zwischen 08:30 und 09:00 in einer gemeinsamen Runde. Der Schultag endet für die Grundschüler zwischen 13:30 h und 15:30 h (je nach Bedarf). Die Kinder kochen und essen gemeinsam, in ihren Familien- bzw. Projektgruppen. In den höheren Altersstufen (ab 5. Klasse) endet der Schultag verbindlich um 15:20.  Neben dieser Grundstruktur entwickeln die Schüler*innen mit ihren LernCoaches individuelle Tages- und Wochenstrukturen, die sich am Alter und dem persönlichen Entwicklungsstand orientieren. Gemeinsame Ankunfts- und Abschiedsrituale sind vorgesehen.


Wie können wir individuelle Lernprozesse begleiten?


In der Eine-Welt-Schule verfügt jedes Kind über seine persönliche bunte Lernlandkarte mit Kompetenzfähnchen, die ab Klasse 7 zum Kompetenz – Schachbrett wird. Durch diese Visualisierung können die Schüler*innen zu jeder Zeit für sich selbst erkennen, was sie schon können, wo sie gerade im Prozess sind und welche Kompetenzfelder noch unberührt sind. Mit ihrem LernCoach besprechen, reflektieren und planen die Schüler*innen regelmäßig ihren Alltag und ihre Entwicklung. Sie wählen und gestalten Projekte mit, gehen in offene Werkstätten, fordern Inputs von Expert*innen ein und arbeiten in der Bibliothek und im Lernatelier. Ihren Wochenplan erstellen sie immer selbständiger und dokumentieren eigene Tages- und Wochenrückblicke. Alle individuellen Lernwege orientieren sich stets am allgemeinen Bildungsplan von Baden-Württemberg.

 


Kinderschutz-Policy


Überall dort, wo Menschen aufeinander treffen, begegnen wir dem gesamten Spannungsfeld des Lebens. Unangenehme Erfahrungen und Erlebnisse gehören dazu. Die Realität verschwindet nicht einfach, weil wir wegschauen. Im Gegenteil. Sie bleibt wie sie ist. Es geht uns um den höchsten Wert, der unsere Gesellschaft ausmacht: unsere Kinder. Bewusst hinzuschauen und Herausforderungen  anzunehmen, ist ein Grundsatz an der Eine-Welt-Schule, den wir gestalten wollen.

Junge Menschen sind Schutzbefohlene. Daher wird die Eine-Welt-Schule ein umfassendes Schutzkonzept mit der Kinderschutzorganisation ECPAT Deutschland e.V. in den Schulalltag integrieren: ecpat